BI MI TO HUUS

Mit dem Projekt BI MI TO HUUS widmete sich die Emsländische Landschaft nach dem grenzüberschreitenden Konzept GRENZKULTUR erneut dem Thema „Immaterielles Kulturerbe“. Gemeinsam mit den Heimatvereinen und Museen der Region wurde ein kleines virtuelles Museum von Tradition und Brauchtum erschaffen.

Überall in der Region Emsland und Grafschaft Bentheim begegnen dem aufmerksamen Betrachter alte Bräuche, Feste oder Spuren traditioneller handwerklicher Fertigkeiten, die es lebendig zu halten gilt. Dies geschieht im Idealfall durch regelmäßige wiederholende Durchführung oder deren gewissenhafte Dokumentation und aktive Weitergabe an nachfolgende Generationen. Gleiches gilt auch für die plattdeutsche Sprache, der die Emsländische Landschaft eine eigene Fachstelle widmet.

Wichtig ist es, zeitgemäße Strategien zur Vermittlung und Präsentation zu entwickeln. Der Wunsch nach einer ungezwungenen spielerischen Weitergabe von Wissen und Inhalten, möglichst aufbereitet in multimediale Darstellungweisen und weitere Aspekte forderten die Teilnehmer dazu heraus, für mit ihren Vereinen neue Wege der Arbeit zu beschreiten. Ein Ziel war es, am Ende von BI MI TO HUUS  regionale Identität gestärkt vorfinden zu können und im Bewusstsein aller Mitgestalter sowie des Publikums nachhaltig verankert zu wissen. 

Anerkennend, dass der Reichtum an Immateriellem Kulturerbe entlang von Ems und Vechte weitaus größer ist als das, was im zeitlichen und finanziellen Rahmen von BI MI TO HUUS aufgearbeitet werden konnte, wurde mit der Umsetzung des virtuellen Museums an neun umgesetzten Beispielen ein Auftakt dazu gegeben, Themen des Kulturerbes stärker digital sichtbar zu machen. Es entsteht damit auch eine durch spätere Projekte erweiterbare Landkarte von Kulturerbethemen in unserer Region.

Einige Brauchtumsfeste ziehen sich durch größere Teile der Region. Bei Feierlichkeiten mit religiösem Hintergrund gibt es dabei oft Unterschiede je nach evangelisch oder katholisch geprägtem Landstrich. Andere Traditionen sind allein auf ein kleines Gebiet beschränkt und anderen gänzlich unbekannt, die nicht in direkter Nähe dazu leben. Hier gibt es ein großes Spektrum an Themen, die es zu entdecken gilt und für die Neugierde und Interesse geweckt werden soll. 

Kulturerbe ist, genau wie der Begriff Kultur an sich, nicht als etwas Statisches zu betrachten. Ein wichtiger Aspekt von Traditionen und Brauchtum ist, dass ihr ursprünglicher Kern gleichbleibend ist, selbst wenn sich die Art der Durchführung im Laufe der Zeit durchaus ändern und anpassen kann. Dieser dynamische Wandel ist essentiell für den Fortbestand. Die Gründe für Veränderungen sind vielfältig. Manches hängt mit einem sich ändernden Selbstverständnis von Geschlechterrollen zusammen, wenn Positionen innerhalb eines Brauchs, die ursprünglich nur Frauen oder nur Männern vorbehalten waren, nun genderunabhängig vergeben werden. Auch gibt es Bräuche, die durch einen Wandel von gesellschaftlichen Werten oder Gesetzen, z.B. im Bereich Tierschutz, Veränderung unterliegen.

Projekte

Zehn Themen, zehn unterschiedliche
Geschichten, die es zu erzählen gibt.

Winterabende Bi us to Huus

100 Jahre Wallfahrt

Grafschafter Sagen

Holzschuh- herstellung

Veränderungen in Twist

Vom Korn zum Brot

Tradition Dorfkirmes

Kinderspiele von früher

Aulken

Kartoffelernte

Die Pandemiesituation ab März 2020 – dem Beginn der Arbeit an den zehn Einzelaufträgen – hat dafür gesorgt, dass fast keiner der Vereine annähernd das umsetzen konnte, was in den ursprünglichen Anträgen vorgesehen war. An publikumsträchtige öffentliche Veranstaltungen war bis zum Ende der Auftragszeit ebenso wenig zu denken wie an handwerkliche Kurse auf engerem Raum.
Für alle Aufträge wurden Alternativen entwickelt.
Mehr dazu kann in der Pressemitteilung zum Projektende nachgelesen werden. 

Virtuelles Museum

Museale Objekte lassen sich im Normalfall abfotografieren und als Bilder ins Internet stellen. Zusätzlich werden dann die Daten wie Größe, Farbe, Gewicht, Herkunft beschrieben. Manchmal kommen sogar 3D-Aufnahmen hinzu, die sich am Bildschirm zur näheren Betrachtung drehen und wenden lassen. Hochauflösende Fotos von Kunstwerken ermöglichen einen detaillierten Blick auf Gemälde oder ein anderes Objekt, der bei einem normalen Museumsbesuch unmöglich ist. Museumsobjekte werden erläutert und bieten ein Extra, das den normalen Museumsbesuch sinnvoll aufwerten kann und Interessierten die Chance bietet, sich eingehender damit zu befassen. Die Bilder oder Digitalisate dienen auch einem sichtbar machen von Objekten, die sich z.B. aus konservatorischen Gründen nicht dauerhaft in einer Ausstellung befinden, sondern sich im Depot den Blicken der Besucher entziehen. 

Digitale Museen bieten auch den Vorteil einer Zusammenführung von Objekten aus verschiedenen Sammlungen für vergleichendes und ergänzendes Betrachten. Gleich einem Archiv kann es als Quelle dienen zur Sammlung, Erforschung, Verwahrung und Vermittlung – dies Punkte sind die grundlegenden Aufgaben eines Museums. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist das virtuelle Landesmuseum für Mecklenburg-Vorpommern, für das Museen unterschiedlichster Schwerpunkte zuarbeiten. Ebenso hat Erkelenz mit großem Aufwand ein entsprechendes Konzept geschaffen.

Wenn es um Kulturerbe geht, wird eine Darstellung im Internet ungleich schwerer, schließlich geht es um Handlungsweisen von Tradition und Brauchtum, um die Darstellung von Sprache, Handwerkstechniken, also dem Veranschaulichen von Bestandteilen, die zumeist nicht auf den ersten Blick wahrgenommen werden. Hier sind vor allem Zusammenhänge und Bedeutungen von hoher Bedeutung. Warum wird etwas getan? In welchem Kontext steht eine Handlungsweise? An dem Punkt setzte BI MI TO HUUS an.

Blicken wir auf einen Themenkomplex wie überwiegend oral tradierte Traditionen oder gar Sagen, so wird die Bedeutung einer Verschriftlichung auf Basis verschiedener Quellen und möglichst auch einer zusätzlichen Darstellungsform deutlich, um eine Sichtbarmachung zu erwirken.

Es geht in einem virtuellen Museum Immateriellen Kulturerbes also, anders als bei anderen virtuellen Museen, nicht vornehmlich um die Präsentation einzelner Objekte. Daher sollen neben Bildern und Texten möglichst auch Tondokumente und Filme die Seite sinnvoll bereichern.

Bi mi to Huus macht sich die Beliebtheit von QR-Codes zunutze:
Am Ende des Projekts im April 2021 erhielt jeder teilnehmende Verein eine Tafel, die eine Kurzbeschreibung des von ihm ausgeführten Auftrags, die Förderlogos und einen QR-Code zur Seite der Ergebnisse umfasst.
Mit der Tafel konnte das jeweilige Heimathaus bzw. ein frei gewählter Ort ausgestattet werden, um auch langfristige Sichtbarkeit der Website zu ermöglichen. Die Tafeln sind auch Grundstock einer möglichen kulturtouristischen Route zum Immateriellen Kulturerbe in der Region an Ems und Vechte. 

Förderung und Partner

BI MI TO HUUS und damit die Emsländische Landschaft, wird großzügig finanziell unterstützt aus dem Fördertopf LandKULTUR der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Als inhaltliche Kooperationspartner sind der Emsländische Heimatbund, der Heimatverein Grafschaft Bentheim und das Emslandmuseum Lingen mit dabei.

Das Logo, das Design der Internetseite und die beiden erschienenen Broschüren entstanden in Zusammenarbeit des Projektmanagements mit der Agentur 52GRAD aus Nordhorn.